Mit Raufaser tapezieren – so geht’s

Letztes Update: 22.04.24

 

Raufasertapete gehört zu den beliebtesten Tapetenarten in Wohnräumen. Ihre strukturierte Oberfläche kann Räumen nicht nur eine warme und natürliche Atmosphäre verleihen, sondern sie kann auch einfach mit Wandfarbe individualisiert werden. In diesem Artikel erklären wir Ihnen, wie Sie mit Raufaser tapezieren, ob sich Raufaser zum Streichen eignet und was Sie sonst noch wissen müssen, um Ihr Zuhause neu zu tapezieren. Natürlich finden Sie auch eine detaillierte Schritt-für-Schritt-Anleitung für das Tapezieren der Raufaser. 

 

Was ist Raufaser?

Raufasertapete ist eine Art von Tapete, die eine charakteristisch strukturierte Oberfläche hat. Diese Textur entsteht durch das Einbetten von kleinen Holz- oder Papierfasern (sogenannten “Raufasern“) in eine Papierbasis, was der Tapete ein einzigartiges, körniges Aussehen verleiht. Im Übrigen wird irrtümlich häufig von “Rauhfaser” gesprochen, doch sie schreibt sich ohne “h”. Entstanden ist die Raufasertapete bereits im späten 19. Jahrhundert als eine kostengünstige und praktische Lösung zur Wandgestaltung. Sie hat sich seitdem aufgrund ihrer Robustheit und der einfachen Anwendung als beliebte Wahl in Häusern und Wohnungen etabliert.

Im Vergleich zu anderen Tapetenarten wie Vinyl- oder Vliestapeten zeichnet sich Raufaser durch die Umweltfreundlichkeit und hohe Atmungsaktivität aus. Die natürlichen Materialien ermöglichen eine gewisse Feuchtigkeitsregulierung im Raum, was zu einem angenehmen Raumklima beiträgt. Zudem ist Raufasertapete überstreichbar, was bedeutet, dass sie sich leicht an veränderte Farbwünsche oder Raumgestaltungen anpassen lässt, ohne dass die Tapete selbst erneuert werden muss.

Ein weiterer Vorteil der Raufasertapete ist ihre Vielseitigkeit. Sie ist in verschiedenen Körnungen erhältlich, von fein bis grob, sodass für jeden Geschmack und Einrichtungsstil etwas dabei ist. Diese Körnungsgrade bieten unterschiedliche Grade der Texturierung, was es ermöglicht, mit Licht und Schatten auf der Wandfläche zu spielen und so individuelle Raumeffekte zu erzielen.

Die Kombination aus Praktikabilität, Anpassungsfähigkeit und ästhetischer Vielfalt macht Raufasertapete zu einer hervorragenden Wahl für Heimwerker und Profis gleichermaßen. Ob Sie einen Raum neu gestalten oder eine alte Wandbekleidung auffrischen möchten, Raufasertapete bietet eine langlebige und recht günstige Lösung.

 

Vorbereitung des Tapezierens

Die sorgfältige Vorbereitung des Untergrunds und der Einsatz der richtigen Werkzeuge sind entscheidend für ein professionelles Ergebnis beim Tapezieren mit Raufasertapete. Diese Phase umfasst mehrere wichtige Schritte, von der Wandvorbereitung bis zur Auswahl und dem Einsatz von Hilfsmitteln, die das Tapezieren erleichtern und perfektionieren. Eine gründliche Vorbereitung ist der Schlüssel zum Erfolg beim Tapezieren mit Raufasertapete. Die Investition in Zeit und die richtigen Werkzeuge, bevor Sie mit der eigentlichen Raufasertapete tapezieren, zahlt sich also aus.

 

Auswahl der Werkzeuge und Hilfsmittel

Neben den Standardwerkzeugen wie Tapezierbürste, -rolle, Schere und Cuttermesser, ist ein Laser-Nivelliergerät ein mögliches Hilfsmittel, um Tapetenbahnen absolut exakt und ohne Überlappungen anzubringen. Ein solches Gerät projiziert eine perfekt gerade Linie an die Wand, die als Leitlinie dient und sicherstellt, dass jede Bahn präzise ausgerichtet ist. Das ist besonders nützlich bei Struktur- oder Mustertapeten. Wenn Sie mit Raufaser tapezieren, ist das sicherlich nicht unbedingt erforderlich. Wenn Sie dennoch ein solches Gerät anschaffen möchten, empfehlen wir Ihnen, einen Blick auf den Laser-Nivelliergerät-Testsieger zu werfen. Weitere nützliche Hilfsmittel können eine lange Wasserwaage, ein Lot und eine Andrückrolle sein, um die Tapete glatt und fest an die Wand zu pressen.

 

Wandvorbereitung

Die Wandvorbereitung beginnt mit der Demontage von abnehmbaren Elementen wie Fußleisten, Lichtschaltern und Heizkörpern. Dies vereinfacht das Tapezieren erheblich und führt zu saubereren Abschlüssen an den Rändern und um die Aussparungen herum. Die Wände sollten von alten Tapetenresten, Staub und Schmutz befreit werden. Risse und Löcher müssen mit Spachtelmasse ausgebessert und glattgeschliffen werden, um eine ebenmäßige Oberfläche zu schaffen.

Für sehr unebene Wände kann eine gründlichere Vorbereitung notwendig sein. Kleinere Unregelmäßigkeiten lassen sich durch breites Verspachteln ausgleichen. Bei größeren Unebenheiten kann das Anbringen von Rigipsplatten eine effektive Lösung sein. 

Dies bietet zudem die Möglichkeit, eine zusätzliche Dämmung anzubringen, indem Sie mit Holzlatten eine Unterkonstruktion an der Wand anbringen, sie mit Dämmmaterial füllen und dann Rigipsplatten aufbringen. Diese Methode schafft eine völlig ebene Fläche, die sich ideal für das Tapezieren eignet und gleichzeitig die Isolierung des Raumes verbessern kann. Außerdem können Sie im Inneren – falls erforderlich – zusätzliche Kabel verlegen und weitere Steckdosen oder Beleuchtungen anbringen. Informieren Sie sich vorab aber unbedingt über den aktuellen Rigipsplatten-Preis, denn dieser kann je nach Anbieter, Qualität und Menge stark variieren.

Bevor mit dem Tapezieren begonnen wird, sollte der Untergrund mit einem geeigneten Grundiermittel behandelt werden, um die Saugfähigkeit zu regulieren und eine optimale Haftung der Tapetenkleisters zu gewährleisten.

Tapezieren kann jeder.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Tapezieren mit Raufaser

Das Tapezieren mit Raufasertapete kann in überschaubare Schritte unterteilt werden, die auch für Tapezierneulinge gut zu bewältigen sind. Mit der richtigen Vorbereitung und Ausführung erhalten Sie ein ansprechendes und langlebiges Ergebnis.

 

1. Wand vorbereiten

  • Untergrund reinigen: Stellen Sie sicher, dass die Wandfläche sauber, trocken und glatt ist. Entfernen Sie alle alten Tapetenreste, Nagel- oder Schraublöcher und andere Unregelmäßigkeiten.
  • Risse und Löcher spachteln: Verwenden Sie Spachtelmasse, um Löcher und Risse zu füllen. Nach dem Trocknen die reparierten Stellen glattschleifen.
  • Grundierung auftragen: Eine Grundierung verbessert die Haftung des Kleisters und vermindert die Saugfähigkeit des Untergrunds.

 

2. Tapetenbahnen zuschneiden

  • Maße nehmen: Messen Sie die Höhe der Wand und fügen Sie ca. 5-10 cm an beiden Enden hinzu, um Spielraum für die endgültige Anpassung zu haben.
  • Zuschneiden: Schneiden Sie die Bahnen entsprechend zu. Achten Sie darauf, dass das Muster (falls vorhanden) aufeinander abgestimmt ist.

 

3. Kleister anrühren und auftragen

  • Kleister wählen: Wählen Sie einen für Raufasertapeten geeigneten Kleister. Die Packungsbeilage gibt Auskunft über das Mischverhältnis.
  • Kleister anrühren: Rühren Sie den Kleister gemäß den Herstellerangaben an. Lassen Sie den Kleister quellen, bis er die richtige Konsistenz erreicht hat.
  • Kleister auftragen: Tragen Sie den Kleister gleichmäßig auf die Rückseite der Tapetenbahn auf. Einige bevorzugen es, die Wand einzukleistern, besonders bei schwereren Raufasertapeten.

 

4. Erste Tapetenbahn anbringen

  • Ausrichtung: Verwenden Sie ein Laser-Nivelliergerät oder eine Wasserwaage, um eine vertikale Leitlinie an der Wand zu markieren. Dies ist besonders wichtig für die erste Bahn, da sie als Richtschnur für die folgenden Bahnen dient.
  • Tapete positionieren: Bringen Sie die oberste Kante der Tapetenbahn an der Decke an, wobei Sie einen Überstand von etwa 5 cm lassen. Richten Sie die Tapete entlang der markierten Linie aus.
  • Glattstreichen: Verwenden Sie eine Tapezierbürste oder -rolle, um die Tapete von der Mitte nach außen hin glatt zu streichen und Blasen oder Falten zu entfernen.

 

5. Folgebahnen tapezieren

  • Stoß an Stoß: Bringen Sie die nächste Bahn direkt neben der ersten an, ohne Überlappung, sodass die Kanten genau aneinanderstoßen.
  • Ausrichtung prüfen: Achten Sie darauf, dass die Tapetenbahnen sowohl vertikal als auch in ihrem Muster (falls vorhanden) exakt ausgerichtet sind.
  • Glattstreichen: Wie bei der ersten Bahn, glätten Sie die Tapete von der Mitte nach außen, um eine gleichmäßige Haftung zu gewährleisten.

 

6. Ecken und Kanten bearbeiten

  • Ecken: Bei inneren Ecken lassen Sie einen Überstand der Tapete in die nächste Wandfläche einlaufen und schneiden den Überschuss erst nach Anbringen der nächsten Bahn ab. Bei äußeren Ecken sollte die Tapete um die Ecke geführt und sorgfältig angedrückt werden.
  • Kanten: Schneiden Sie den Überstand an Decke und Boden mit einem scharfen Cuttermesser ab. Halten Sie dazu ein Lineal oder eine Schiene an die Kante, um einen geraden Schnitt zu gewährleisten.

 

7. Aussparungen für Steckdosen und Schalter

  • Strom ausschalten: Stellen Sie sicher, dass die Sicherung für den Arbeitsbereich ausgeschaltet ist.
  • Ausschneiden: Tapezieren Sie über die Aussparungen hinweg und schneiden Sie das Material dann vorsichtig mit einem Cuttermesser heraus. Lassen Sie dabei genügend Rand, um die Abdeckungen wieder anzubringen.

 

Tipps für ein perfektes Ergebnis

Um beim Tapezieren mit Raufasertapete das bestmögliche Ergebnis zu erzielen, gibt es einige Tricks und Techniken, die Ihnen helfen können, häufige Fehler zu vermeiden und ein professionell aussehendes Finish zu erreichen.

Gleichmäßiger Kleisterauftrag: Ein gleichmäßiger Kleisterauftrag ist essentiell, um Blasen und Falten in der Tapete zu vermeiden. Nutzen Sie einen breiten Kleisterpinsel oder eine Rolle, um den Kleister gleichmäßig auf der gesamten Rückseite der Tapetenbahn zu verteilen. Achten Sie besonders darauf, die Ränder gut einzukleistern, da diese am ehesten zum Ablösen neigen.

Exaktes Anbringen der ersten Tapetenbahn: Die erste Tapetenbahn dient als Richtlinie für alle weiteren Bahnen, deshalb ist es wichtig, dass sie perfekt vertikal angebracht wird. Verwenden Sie ein Laser-Nivelliergerät oder eine Wasserwaage und zeichnen Sie eine gerade Linie an der Wand, an der Sie die erste Bahn ausrichten können.

Vermeidung von Überlappungen: Raufasertapeten sollten idealerweise stoß an stoß geklebt werden, ohne zu überlappen. Überlappungen können zu sichtbaren Nähten führen, die das Gesamtbild stören. Verwenden Sie ein scharfes Messer und eine Metallschiene, um die Ränder genau zu schneiden, falls eine Anpassung nötig ist.

Umgang mit Ecken: Ecken können eine Herausforderung darstellen. Eine Technik ist, die Tapete bis zur Ecke und ein wenig darüber hinaus laufen zu lassen. Dann die nächste Bahn überlappen lassen und entlang der Ecke durch beide Schichten schneiden, um eine saubere Kante zu erzeugen.

Trocknungszeit beachten: Geben Sie der Tapete genügend Zeit zum Trocknen, bevor Sie Möbel zurückrücken oder Dekorationen anbringen. Zu schnelle Temperatur- oder Feuchtigkeitsänderungen können zum Schrumpfen der Tapete führen, was wiederum die Nähte öffnen könnte.

Behandlung von Blasen und Falten: Falls sich während oder nach dem Tapezieren Blasen bilden, können Sie diese vorsichtig mit einer Nadel anstechen und die Luft herausdrücken. Verwenden Sie dann eine Tapetenbürste oder -rolle, um die Tapete erneut glatt zu streichen.

Sauberes Arbeiten: Halten Sie einen feuchten Schwamm oder Lappen bereit, um überschüssigen Kleister sofort von der Tapetenoberfläche zu entfernen. Kleisterreste können nach dem Trocknen unschöne Flecken hinterlassen.

Qualität der Werkzeuge: Investieren Sie in gute Qualitätswerkzeuge. Ein scharfes Messer, eine gute Tapetenbürste und eine stabile Andrückrolle können den Unterschied zwischen einem Amateur- und einem Profi-Ergebnis ausmachen.

Raufasertapete zu überstreichen ist ganz einfach.

Überstreichen von Raufasertapete

Das Überstreichen von Raufasertapete bietet eine einfache Möglichkeit, Ihren Räumen ein frisches Aussehen zu verleihen. Mit der richtigen Vorbereitung und Technik können Sie sicherstellen, dass die Farbe gleichmäßig aufgetragen wird und das charakteristische Profil der Raufaser erhalten bleibt.

 

Grundierung

Eine Grundierung ist nicht immer notwendig, kann aber besonders bei stark saugenden Untergründen oder Farbwechseln sinnvoll sein. Sie sorgt für eine bessere Haftung der Farbe und ein gleichmäßigeres Ergebnis.

 

Farbauswahl

Verwenden Sie eine hochwertige, atmungsaktive Farbe, die für Raufasertapeten geeignet ist. Matte Farben helfen, Unregelmäßigkeiten zu verbergen, während seidenglänzende Farben die Struktur betonen können.

 

Anstrichtechnik

Beginnen Sie mit dem Ausstreichen der Ecken und Kanten mit einem Pinsel. Rollen Sie dann die Farbe in gleichmäßigen Bahnen auf die Wand auf, wobei Sie darauf achten sollten, die Raufaserstruktur nicht zu verflachen. Ein Farbroller mit mittlerer bis langer Florlänge eignet sich am besten, um in die Vertiefungen der Raufaser einzudringen.

 

Trocknung und zweiter Anstrich

Lassen Sie die Farbe vollständig trocknen, bevor Sie entscheiden, ob ein zweiter Anstrich notwendig ist. Oftmals ist ein zweiter Durchgang empfehlenswert, um eine vollständige Abdeckung und ein gleichmäßiges Finish zu gewährleisten.

 

Raufaser tapezieren und streichen im Video-Tutorial

Obi hat ein gutes Tutorial in Videoform online gestellt, dass wir Ihnen sehr empfehlen können:

Häufig gestellte Fragen

Im Folgenden haben wir die häufigsten Fragen, die uns zum Thema Tapezieren mit Raufaser erreichen, für Sie zusammengefasst und kurz beantwortet. Sollten Sie weitere Fragen haben, können Sie uns gerne jederzeit kontaktieren oder einen Kommentar hinterlassen.

 

Welche Farbe zum Raufaser überstreichen?

Für das Überstreichen von Raufasertapete eignen sich am besten Dispersionsfarben auf Wasserbasis. Sie sind atmungsaktiv und ermöglichen der Tapete, eventuelle Feuchtigkeit aus dem Raum aufzunehmen und abzugeben. Wählen Sie je nach gewünschtem Finish eine matte, seidenmatte oder glänzende Farbe.

 

Kann man Raufaser übertapezieren?

Raufaser kann grundsätzlich übertapeziert werden, allerdings ist es empfehlenswert, die alte Raufasertapete vorher zu entfernen, um eine glatte Oberfläche für die neue Tapete zu gewährleisten. Das Übertapezieren kann sonst zu Unebenheiten und einer unbefriedigenden Haftung der neuen Tapete führen.

 

Wird Raufaser überlappend tapeziert?

Raufasertapete wird in der Regel stoß an stoß geklebt, um sichtbare Überlappungen zu vermeiden. Sollten geringfügige Überlappungen notwendig sein (z.B. in Ecken), können diese nach dem Tapezieren vorsichtig abgeschnitten werden.

 

Wie sollte man Raufasertapete streichen?

Beim Streichen von Raufasertapete ist es wichtig, einen Farbroller mit genügend Florlänge zu verwenden, um in die Tiefen der Raufaserstruktur einzudringen. Arbeiten Sie in gleichmäßigen Bahnen und achten Sie darauf, die Farbe nicht zu dick aufzutragen, um die Struktur der Raufaser zu erhalten.

 

Braucht man einen Tapeziertisch für Raufaser?

Ein Tapeziertisch ist besonders hilfreich, wenn Sie die Tapete vor dem Anbringen einkleistern möchten. Für das direkte Einkleistern der Wand, eine Methode, die oft bei schwereren Raufasertapeten angewendet wird, ist ein Tapeziertisch jedoch nicht unbedingt erforderlich.

 

Wann soll man nach dem Tapezieren streichen?

Es ist empfehlenswert, mindestens 24 bis 48 Stunden zu warten, bevor Sie frisch tapezierte Raufasertapete streichen. Dies gibt der Tapete genügend Zeit, um vollständig zu trocknen und sicher an der Wand zu haften. Prüfen Sie vor dem Streichen, ob die Tapete fest sitzt und keine Feuchtigkeit mehr aufweist.

 

 

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